Illustration Lungenfibrose

Lungenfibrose

Eine narbige Verdickung des Lungengerüsts, die den Sauerstoffaustausch erschwert. Eine frühe, präzise Diagnostik ist entscheidend – für einige Formen stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.

Erkennen Sie sich wieder?

Vielleicht kennen Sie das: eine Atemnot bei Belastung, die langsam, aber stetig zunimmt, dazu ein trockener Reizhusten, der einfach bleibt. Solche Beschwerden sind unspezifisch – gerade deshalb ist eine frühe, gezielte Abklärung wichtig.

Was ist eine Lungenfibrose?

Bei einer Lungenfibrose kommt es zu einer narbigen Verdickung des Lungengerüsts – des Bindegewebes zwischen den Lungenbläschen (Interstitium). Dadurch versteift die Lunge, kann sich schlechter ausdehnen, und der Sauerstoff gelangt schwerer ins Blut.

Die Lungenfibrose ist keine einzelne Krankheit, sondern Teil der großen Gruppe der interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD) mit unterschiedlichen Ursachen und Verläufen. Findet sich trotz sorgfältiger Abklärung keine Ursache und zeigt sich im CT ein typisches Vernarbungsmuster, spricht man von einer idiopathischen Lungenfibrose (IPF) – der häufigsten Form.

Mögliche Ursachen

  • Autoimmun- und rheumatische Erkrankungen (z. B. Sklerodermie, rheumatoide Arthritis)
  • eingeatmete Stoffe: Schimmel oder Vogelhaltung (exogen-allergische Alveolitis), Asbest, Quarz- und andere Stäube
  • bestimmte Medikamente oder eine frühere Strahlentherapie
  • genetische Faktoren bzw. familiäre Häufung
  • ohne fassbare Ursache: die idiopathische Lungenfibrose (IPF)

Symptome

Im Vordergrund stehen eine langsam zunehmende Atemnot bei Belastung, ein hartnäckiger trockener Reizhusten, nachlassende Belastbarkeit und Erschöpfung. Beim Abhören fällt häufig ein feines Knisterrasseln über den unteren Lungenfeldern auf; bei längerem Verlauf können sich Trommelschlägelfinger ausbilden. Weil die Beschwerden unspezifisch sind, vergeht bis zur Diagnose oft wertvolle Zeit – eine frühe Abklärung ist deshalb wichtig.

Diagnostik

  • CO-Diffusionstestung (DLCO): zeigt früh eine Störung des Gasaustauschs und ist ein empfindlicher Verlaufsparameter.
  • Lungenfunktion / Bodyplethysmographie: typischerweise ein vermindertes Lungenvolumen (restriktive Störung).
  • Blutgasanalyse und ggf. ein 6-Minuten-Gehtest (Sauerstoffabfall unter Belastung).
  • hochauflösende Computertomografie (HRCT) als zentraler Baustein sowie Laboruntersuchungen (u. a. auf Autoimmunerkrankungen); in einzelnen Fällen Bronchoskopie oder Gewebeprobe.

Die sichere Einordnung gelingt am besten im interdisziplinären ILD-Board gemeinsam mit Radiologie und Pathologie. Diese Schritte koordinieren wir mit radiologischen und spezialisierten Zentren.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Form:

  • Idiopathische Lungenfibrose (IPF): Hier stehen seit 2014 zwei antifibrotische Medikamente (Nintedanib und Pirfenidon) zur Verfügung, die in großen Zulassungsstudien (INPULSIS und ASCEND) den Rückgang der Lungenfunktion und damit das Fortschreiten verlangsamen konnten.
  • Andere fortschreitende (progrediente) Lungenfibrosen: Auch wenn die Vernarbung bei anderer Grunderkrankung weiter zunimmt, kann eine antifibrotische Therapie infrage kommen (Datengrundlage u. a. INBUILD-Studie).
  • Entzündlich getriebene Formen: Hier steht eine entzündungshemmende bzw. das Immunsystem dämpfende Behandlung im Vordergrund.

Unterstützend sind – je nach Befund – eine Sauerstofftherapie bei Bedarf, Schutzimpfungen, Atemtraining und körperliche Aktivität sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen wichtig. In ausgewählten, fortgeschrittenen Fällen wird die Möglichkeit einer Lungentransplantation geprüft. Wir begleiten Sie eng, kontrollieren den Verlauf regelmäßig und arbeiten bei Bedarf mit pneumologischen Zentren zusammen.

Wann sollten Sie zu uns kommen?

  • Langsam zunehmende Atemnot bei Belastung über Wochen bis Monate
  • Anhaltender trockener Reizhusten ohne erkennbare Ursache
  • Ein auffälliges Knisterrasseln beim Abhören oder ein Hinweis im Röntgen-/CT-Bild
  • Eine bekannte rheumatische oder Autoimmunerkrankung mit neuer Atemnot

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) u. a.: S2k-Leitlinie Idiopathische Lungenfibrose – Diagnostik und Therapie (AWMF-Register-Nr. 020-016).
  2. Richeldi L et al.: Efficacy and Safety of Nintedanib in Idiopathic Pulmonary Fibrosis (INPULSIS). N Engl J Med 2014;370:2071–2082.
  3. King TE Jr et al.: A Phase 3 Trial of Pirfenidone in Patients with Idiopathic Pulmonary Fibrosis (ASCEND). N Engl J Med 2014;370:2083–2092.
  4. Flaherty KR et al.: Nintedanib in Progressive Fibrosing Interstitial Lung Diseases (INBUILD). N Engl J Med 2019;381:1718–1727.

Hinweis: Diese Informationen dienen Ihrer allgemeinen Orientierung und ersetzen kein ärztliches Beratungsgespräch. Diagnose und Therapie richten sich immer nach Ihrer individuellen Situation. Stand der zugrunde gelegten Leitlinien: 2026.